Chronik der Luftsportvereinigung Neuss e.V.
1984 bis heute
Es folgte eine schwere Zeit für den Verein. Ohne eigenes Modellfluggelände waren die Mitglieder darauf angewiesen, bei anderen Vereinen oder in kleine Gruppen aufgesplittert wild zu fliegen. Darunter musste das Vereinsleben leiden, es fand eigentlich nur noch bei den Versammlungen statt.
Vereinswettbewerbe wurden auf die Neusser Rennbahn, die Rheinwiesen oder auf das freie Feld verlegt.


Dabei kam es zu interessanten Begegnungen mit Schäfern, Jägern und Bauern. Glücklicherweise blieben aber fast alle Mitglieder dem Verein treu. Nur wenige wechselten zu anderen Vereinen.
Intensive Bemühungen um ein neues Fluggelände bei der Stadt Neuss, der Verwaltung der ehemaligen Raketenstation in Kapellen oder dem Erzbistum Köln blieben zwei Jahre lang ohne Erfolg. Erst über die Kontakte eines ehemaligen Mitglieds zu Peter G. fanden wir endlich einen Landwirt, der gewillt war, uns eine Ackerfläche zu verpachten. Das Gelände mit einer Größe von knapp 25 a ist am alten Strategischen Bahndamm bei Ramrath gelegen.
Die Fläche erschien dem Vorstand zwar nicht ideal, aber durchaus geeignet für unsere Zwecke. Am 16. August 1986 wurde der Pachtvertrag über unser neues Fluggelände unterschrieben.


Nach der Raseneinsaat konnten wir im Sommer 1987 endlich wieder einen geordneten Flugbetrieb aufnehmen. Allerdings nur mit Seglern oder elektrisch angetriebenen Modellen, eine Aufstiegserlaubnis für Modelle über 5 kg oder mit Verbrennern gab es nicht.
Beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf wurde also umgehend die Erteilung der Aufstiegsgenehmigung beantragt. Wie sich bald herausstellte, eine endloses, und letztendlich leider auch erfolgloses Unterfangen. Die Gemeindeverwaltung in Rommerskirchen verweigerte ihre Zustimmung zu dem Projekt. Da halfen alle Bemühungen wie zusätzliches Anpachten eines PKW-Parkplatzes, Erläuterung des Projekts vor dem Gemeinderat oder Lärmgutachten nichts.



Als Folge davon mussten die aktiven Motorflieger ihre Modelle entweder einmotten oder auf Elektroantrieb umrüsten. Zum Glück war im Laufe der Jahre die Entwicklung der Elektromotore und Akkus so weit gediehen, dass ein elektrischer Ersatz überhaupt möglich war.

Bald war uns die Fläche mit ihren 2.500 m² zu klein. Zufällig wurde dem Verein ein gleich großes Nachbargrundstück zum Kauf angeboten. Unser Mitglied Bernhard van Wüllen erklärte sich bereit, das Gelände zu kaufen und dem Verein zunächst zu verpachten. Sobald genügend Kapital angespart war, konnte das Gelände dann in Vereinseigentum übergehen.
Ein gebrauchter Bauwagen als Abstellraum und Unterkunft bei Regen stellte unsere bescheidenen Ansprüche dann erst einmal zufrieden.



Nun konnten auch die Drei-Städte-Wettbewerbe wieder bei uns in Neuss ausgetragen werden. Auch wenn die Fläche begrenzt war, zum Fliegen und anschließenden Feiern war immer genug Platz. Die Paella wurde vor Ort von Rolfs Kochclub zubereitet... hervorragend!

Geflogen wurde natürlich immer – auch von den Frauen.

Der Drei-Städte-Wettbewerb wurde und wird regelmäßig zu Pfingsten ausgetragen, abwechselnd in Neuss, Koblenz und Maastricht


In der Hoffnung, mehr Jugendliche für das Modellfliegen begeistern zu können, veranstalteten wir im Juni 2006 und Juli 2007 jeweils ein Modellbau-Wochenende.


Ein Dutzend Kinder und Jugendliche waren jedes Mal mit Eifer dabei und bauten unter fachkundiger Anleitung ihr erstes Flugzeug, das Freiflugmodell der kleine UHU .
Bei dem anschließenden Wettbewerb mussten die Freiflieger gleich ihre Flugtüchtigkeit unter Beweis stellen. Wie weit ungesteuerte Modelle fliegen konnten und dann auch wieder zurückgeholt werden mussten, hatte der eine oder andere Teilnehmer wohl unterschätzt. Unsere berüchtigte Pappelreihe forderte leider auch hier ihre Opfer.
In den langen Wintermonaten wurden dann mit unseren jungen Mitgliedern ferngesteuerte Elektrosegler aus einem Holzbaukasten gebaut. Jeden Samstag Nachmittag wurde gesägt, geschliffen und geleimt. Bis zum Start der neuen Flugsaison waren die Blue Phönix einsatzbereit.



Ob es an der fortschreitenden Erderwärmung liegt? Der Ruf nach schattenspendenden Bäumen wurde immer lauter. So musste wieder ein Samstag-Nachmittag für Pflanzarbeiten geopfert werden.


Im Jahr 2008 wurden unser Verein 50 Jahre alt, was am 4. Oktober mit einer großen Jubiläumsveranstaltung gebührend gefeiert wurde.
Die Vorsitzenden von unseren befreundeten Vereinen aus Maastricht und Koblenz gaben sich die Ehre. So feierlich war es in der Vereinsgeschichte nur selten.


Die im Laufe des Abends veranstaltete Tombola hatte viele glückliche Gewinner. Vor allem die Aktion Luftballon , den Förderverein der Kinderklinik im Lukaskrankenhaus Neuss , an die der Erlöß von 1.000 Euro übergeben werden konnte.
Der nächste Grund zum Feiern stand im Juli 2011 an: unser 25jähriges Flugplatz-Jubiläum. Zusammen mit dem Verpächter feierten die Mitglieder und ihre Familien ein zünftiges Sommerfest bei Bier vom Fass und Spanferkel vom Grill.


Für eine spontane Kaffeerunde brauchte es nie einen Grund. Dabei reifte aber langsam der Wunsch nach einem richtigen Dach ¨ber dem Kopf. Gerade das An- oder Abfliegen fand in den vergangenen Jahren oft bei schlechtem Wetter statt und der kleine Bauwagen konnte als gemütliche Behausung nicht wirklich überzeugen.


Ein gebrauchter Bürocontainer sollte hier Abhilfe schaffen. Das Wetter im Herbst 2011 war trocken genug, sodass der Anlieferung mit einem 20-Tonner LKW am 27. September nichts mehr im Wege stand – auch unser Kassierer nicht.
Endlich gab es wieder so etwas wie ein Vereinsheim. In der folgenden Zeit wurde der Container neu gestrichen und wohnlich gestaltet. Außerdem wurde er noch mit Heizung und vor allem mit Lademöglichkeiten für unsere Flugakkus ausgerüstet. Jetzt kann man sich auch mal bei nicht so gutem Wetter auf dem Flugplatz treffen – und wenn es nur zum Fachsimpeln ist.


Seit wir unser Domizil in Neukirchen-Ramrath aufgeschlagen haben musste sich der Verein leider von der Fliegerei mit Verbrennungsmotoren verabschieden.

Die technische Entwicklung von Modellen, Antrieben und Steuerungen schreitet weiter voran. Immer leistungsfähigere Antriebsmotore und Flugakkus lassen fast keine Wünsche mehr offen.


So sind in unserem Verein bis heute nahezu alle Sparten der Modellfliegerei vertreten: Oldtimer, Segler, Motorsegler, Motormodelle für Sport- oder Kunstflug, Jets, Speedmodelle, Hubschrauber und Multicopter. Sogar Gleitschirmmodelle wurden bei uns schon am Himmel gesichtet.
Das war die Chronik des Vereins von den Anfängen im Jahr 1958 bis heute. Was wird die Zukunft bringen? Vielleicht bald hier in einem vierten Teil nachzulesen.

